Rega Tonearm History – R200 von 1976.

Die ersten Rega-Plattenspieler wurden von Acos vertrieben (und auch entsprechend beschriftet). Acos vertrieb auch Tonarme des japanischen Herstellers Koshin. Entsprechend wurden die Rega-Plattenspieler in den ersten drei Jahren mit einem leicht abgespeckten Koshin-Tonarm mit der Bezeichnung Acos Lustre GST-1 ausgestattet (mehr dazu später). 1976 wurde dann mit dem R200 der erste spezielle Rega-Tonarm vorgestellt. Dieser wurde immer noch von Koshin in Japan, allerdings dann nach den Spezifikationen von Rega produziert.

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Rega R200 mit originaler Headshell. Das Tonarmrohr besteht aus vernickeltem Stahl.

Der R200 ist wie der GST-1 ein kardanisch gelagerter s-förmiger Tonarm mit wechselbarer Headshell mit SME-Anschluss. Übernommen wurden die Tonarmgeometrie und das leichtere der beiden Gegengewichte des GST-1. Das Armrohr besteht aus vernickeltem Stahl, die Lagerkonstruktion aus leichtem Aluminium. Letzteres ist schon ein Unterschied zum GST-1. Weiterhin ist das Horizontallager nicht mehr als Spitzenlager symmetrisch um das Armrohr, sondern in der Tonarmbasis mit Ringkugellagern ausgeführt.

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Die/das Headshell ist mit Kabeln gute sieben Gramm leicht und recht steif, außerdem harmonisiert es optisch sehr gut mit dem gesamten Arm.

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Das Antiskating-Stellrad bewegt einen kleinen Zahnriemen innerhalb des Auslegers, welcher über ein Schneckengetriebe in der Armbasis den Abstand der Antiskating-Magneten einstellt.

Das Antiskating wird berührungslos durch zwei im Abstand veränderliche Ringmagneten in der Tonarmbasis ermöglicht. Die Einstellung des Abstands erfolgt über ein einfaches Schneckengetriebe, welches mit dem Stellrad über einen kleinen Zahnriemen verbunden ist. Die Armbasis wird wie bei Rega bekannt mit einer M23-Mutter direkt in einer Bohrung mit der Plattenspieler-Zarge fest verschraubt. Eine Kunststoff-Distanzhülse sichert die korrekte Höhe des Tonarms ab, durch Ersatz derselben kann VTA auch (umständlich) eingestellt werden. Der Abtaster R100 war als Partner gedacht, die Höhe mit den Plattenspielern abgestimmt, so dass die fehlende Verstellbarkeit des VTA im Gesamtpaket kein Mangel sein muss.

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Heckansicht. Das Lateralgewicht ist nicht verstellbar, das Gewinde für die Verlängerung der vom GST-1 übernommenen Gegengewichtsachse bleibt ungenutzt.

Da die überlebenden Exemplare des R200 um die 40 Jahre alt sind, haben sich die für die Einstellung des Antiskatings verbauten Zahnriemen leider in Wohlgefallen aufgelöst. Nicht selten wird von (an-) gebrochenen Kunststoff-Distanzhülsen berichtet, auch wenn das seltener auftritt. Die restlichen Teile des Arms sind, wenn gut behandelt, aber gut wie am ersten Tag. Die Magnete können mit der Zeit degradieren, also Kraft verlieren. Die Lager sind wartungsfrei, die Oberflächen aller Teile korrosionsfrei.

Die Distanzhülsen lassen sich leicht austauschen. Für die Riemen gibt es auch Ersatz, aber deren Austausch ist die Hölle. Denn dafür müssen das Außenkabel abgelötet und das Horizontallager demontiert werden. Dann lässt sich zwar der Riemen einfach austauschen. Aber das Zusammensetzen und Einstellen der Lager erfordert viel Geduld und ruhige Hände. Die Kabel lassen sich schwer wieder anlöten, da sie sehr kurz ausgeführt wurden. Entsprechend muss in der Regel auch die Innenverkabelung ausgetauscht werden. Dafür muss der Headshellanschluss geöffnet werden (Kinderspiel), aber aufgrund der engen Führung musste ich dafür nun auch noch das Vertikallager öffnen. Photo Story below.

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Ich wollte schon immer mal ein Bild von der Drehbank zeigen. Hier wird ein stabiler Ersatz für die Distanzhülse gedreht.

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Links die originale Kunststoff-Distanzhülse, rechts die Kopie in Aluminium.

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Nun zum Ersetzen des Antiskating-Riemens. Nach Entfernen des Außenkabels wird die Fixierung des unteren Horizontallagers zugänglich. Gekonterte Messingmuttern sichern eine Lagerschale. Nach dessen Entfernen gelangt man an den Kugelkäfig, der entnommen werden kann. Die zweite Lagerschale sitzt fest im unteren Gehäuseteil der Basis.

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Nach Entfernen des unteren Gehäuseteils der Basis durch Lösen der drei gut zugänglichen Schrauben wird das Antiskatinggetriebe zugänglich. Der im Original helle Riemen bzw. dessen Reste lassen sich leicht entnehmen und ein neuer einlegen. Mit blauer Einfädelhilfe für Zusammensetzen  des nach notwendiger Gehäusemontage nur schwer zugänglichen Horizontallagers.

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Nachdem alles geduldig wieder zusammengesetzt wurde, konnte das Lagerspiel relativ einfach wieder eingestellt werden. Statt der alten Außenkabel wurden die ohnehin neu eingezogenen Innenkabel mit einem Cardas-Anschluss versehen, der passt genau in die Tonarmbasis hinein. Hier macht sich wieder die Anstammung vom GST-1 bemerkbar, der einen solchen Anschluss in der Basis hat.

Noch ein paar Fakten zum Acos Rega R200

  • 1976–1984
  • Effektive Tonarmmasse: 16 g
  • Effektive Länge: 237 mm
  • Überhang: 15 mm
  • Montageabstand (Tellermitte–Mitte Tonarmbohrung): 222 mm
  • Montagebohrung: 25 mm
  • Tonarmhöhe (Unterkante Headshell–Oberkante Zarge):

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  1. | #1

    Schöner Artikel,
    interessant, dass einer der ersten Maßnahmen der Wechsel des Horizontallagers war. Hat das kaufmännische Gründe?
    Habe einen alten RB300(damals gebraucht gekauft)und diesen nach den Angaben Deiner Webseite auch erfolgreich komplett neu verkabelt. Die Verkabelung brachte einen Klanggewinn. Der Tausch des originalen Gegengewichts durch ein Michell Technoweight fiel m.E. aber deutlich höher aus.
    Nun noch mal zu dem Horziontallager: Hatte damals den RB300 ungesehen gekauft - er weist leider Spiel im Horizontallager auf. Das heißt, der Tonarm lässt sich minimal auch bei festgezogener Überwurfmutter in der Horizontalen verdrehen. Ist der Austausch des Horizontallagers mit normalen Mitteln machbar? Für Anregungen wäre ich dankbar.
    Michael

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